SINA ARLT

SIEBEN AUF EINEN STRICH – das sind täglich 7 Fragen an Comic-Zeichner*innen und Illustrator*innen. Diesmal an: Sina Arlt

Sina Arlt wurde 1983 in Husum an der Nordsee geboren und lebt und arbeitet in Hamburg.

Warum hast du angefangen zu zeichnen?

Mit dem Zeichnen habe ich angefangen, um mir selbst meinen Alltag zu beschreiben. Ich habe es als Tagebuch für mich genutzt, indem ich Beobachtungen und Gefühltes mit Zeichnungen verbunden habe. Dadurch konnte ich Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Und auf einmal machte einiges Sinn. Anderes auch wieder nicht. Aber ich hab schon als Kind gerne gezeichnet. Eins meiner Frühwerke heißt: „Danke Mama, das Essen schmeckt immer“.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Das ist schwierig. Ich mag einfach richtig gerne die Linie und habe unterschiedliche Zeichenformen, in denen ich über den Alltag und andere Dinge erzähle. Das ist auch ganz unterschiedlich, wie ich mich gerade auseinander setzen will. Ich habe zum Beispiel ein Comic gezeichnet, welches eine Geschichte über Familie, Kate Bush und Gewitter erzählt, mache Collagen aus Wurstprospekten, versuche in zeichnerischen Aufzählungen Spaziergänge und Fenster zu beschreiben und hab gerne auch einfach mein Skizzenbuch dabei, um Alltagssituationen einzufangen. Zur Zeit übe ich tätowiere. Auf Orangen, da kann man nicht so viel kaputt machen.

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?

Oh, ja. Menschen würde ich sagen. Und Begegnungen und immer auch die Grenze zwischen Innen und Außen. Die Möglichkeit etwas zu verstehen und auch sowas wie Kontaktformen. Ich mag auch gerne Körper, unterschiedliche. Und Haut finde ich auch immer wieder spannend als Organ und eben Grenze. Es ist halt das, was diesen Klumpen Mensch zusammenhält. Wie gut, dass es das gibt.

Wie suchst du dir Inspiration?

Entweder gehe ich raus mit offenen Augen oder ich krame in der inneren Themenkiste rum. Meine Familie ist immer eine gute Inspiration, das Erinnern an Sachen, die gewesen sind, und die Möglichkeit, diese durch das Zeichnen neu zu betrachten.

Was können Comics, Cartoons und Illustrationen, was andere Medien nicht können?

Still halten und ein eigenes Tempo zulassen. Zeichnungen sind etwas Unhektisches, in das man eintauchen kann. Eine Zeichnung gibt der BetrachterIn und ZeichnerIn die Möglichkeit, sich zu konzentrieren und lässt Assoziationen zu. Zeichnungen sind häufig nicht so besetzt wie Begriffe oder Sprache, bzw. gibt die Zeichnung einem die Möglichkeit, andere Deutungen, Ideen und Perspektiven zuzulassen. Zeichnungen sind auch einladend und helfen Menschen miteinander, in den Kontakt zu kommen. Die Erfahrung mache ich, wenn ich für inklusive Veranstaltungen live zeichne. Egal, ob Leute dann Schrift lesen können oder nicht, über eine Zeichnung, ein sich in der Zeichnung wieder erkennen, entstehen irgendwie Verbindung zum Thema und zwischen den anwesenden Personen. Und es bringt Leute zum Lachen. Das mag ich sehr. Sie können sprachlos sein, also jeder kann sie im Idealfall verstehen – egal ob sie/er die Sprache spricht oder lesen kann.

Dein schönstes/schlimmstes Erlebnis als Zeichner*in?

Als ich für mein Abschlussprojekt gezeichnet habe. Das war schön und schlimm zugleich. Es war schön, weil ich in „Was die Nachbarn heute wohl machen“ eine Geschichte erzählen konnte, für die ich lange nach einem passenden Kanal gesucht habe. Dann ist es dieses Comic mit 120 Seiten Bleistiftzeichnungen geworden. Was nicht so schön war, ich habe es in unserem damaligen Kelleratelier auf St. Pauli gezeichnet. Es war nicht besonders warm, schimmelig und die Pflanzen ließen die Köpfe hängen. Die Apothekerin von oben drüber fand uns blöd und ich konnte aus dem Fenster, in Höhe des Gehweges richtig gut Schuhe und kleine Hunde angucken. Ich mochte es aber auch da, wegen der Menschen und der Lavalampe.

Kannst du den Satz: „Mir ist nicht egal, dass…“ vervollständigen?

Mir ist nicht egal, dass Avocados um den Globus gekarrt werden und zu richtig miesen Bedingungen angebaut werden. Leider esse ich trotzdem ab und an eine.

Website: sinaarlt.com
Instagram: @sina_gulaschka

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