REINE KURTH

SIEBEN AUF EINEN STRICH – das sind täglich 7 Fragen an Comic-Zeichner*innen und Illustrator*innen. Diesmal an: Reine Kurth

Reine Kurth wurde 1973 in Basse-Ham, einem Dorf im französischen Lothringen geboren. Ihre Wahlheimat heute ist aber Bremen.

Warum hast du angefangen zu zeichnen?

Das kann ich nicht sagen, das war bevor ich mich erinnern kann 😉 Ich denke, es ist etwas das ich gut kann, was nicht jeder kann, und es wäre schade – eine „Verschwendung“ – nichts daraus zu machen. Ich habe auch das Gefühl, es ist ein Teil von mir, und ich wäre nicht mehr ganz „ich“, wenn ich nicht zeichnen würde. Wobei ich im Prinzip denke, dass eine Person sich nicht durch eine Tätigkeit definieren lässt; vielleicht habe ich einfach Angst, wenn ich aufhöre und irgendwann wieder anfangen will, kann ich es nicht mehr ^_^

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich möchte gerne durch meine Bilder Freude verbreiten 🙂 Dazu würde ich am Liebsten super süße, bunte Sachen zeichnen, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern – aber ich finde es kommt öfter etwas irgendwie Seltsames dazu ^_^ Meine Freundin Ragni (@ragnilynn) hat einmal von meinen Figuren gesagt, dass sie stark, aber gleichzeitig verträumt wirken. Wir kannten uns damals noch kaum, und ich war erstaunt, dass sie die Gefühle so gut lesen konnte, die ich in diese Zeichnungen gesteckt hatte – besser hätte ich es selbst nicht ausdrücken können 🙂

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?

Ich zeichne gerne Szenen aus dem Alltag, wo vielleicht auch etwas Fantastisches durchscheint, als wäre das ganz normal. Ich möchte gerne die Welt, die „Natur“ (wozu ich Menschen und ihre Werke auch zähle), als wunderbar und immer wieder erstaunlich zeigen, also auf die Magie im Alltäglichen, im vermeintlich Normalen, aufmerksam machen. Gesellschaftliche Themen, die mir wichtig sind, die ich aber (noch) nicht direkt angesprochen habe, sind die Gleichstellung von allen Menschen; die Suche nach Alternativen zum wirtschaftlichen (Ultra)liberalismus und zur Konsumgesellschaft, und wie man sie ausleben und verbreiten kann; die Bedeutung des sozialen Zusammenhalts, und einer wohlwollenden Haltung unter Menschen. Ich denke über solche Sachen nach, und vielleicht ist das manchmal als Subtext da, oder auch darin, was ich entscheide darzustellen oder nicht.

Wie suchst du dir Inspiration?

„Inspiration“ als „Eingebung“ bekomme ich (manchmal) von was ich sehe, ob „im Echt“ oder – vielleicht noch eher – in Fiktion. Ich habe es immer geliebt, meine Version von Figuren aus Büchern, Comics, Zeichentrickserien, oder (seltener) „live“ Serien oder Filmen zu zeichnen 🙂 Ich beobachte auch gerne Menschen, ihre Kleidung, Frisuren und allgemeines Aussehen und Verhalten; auch Bäume, Tiere, und Spiegelungen im Wasser 🙂 „Suchen“, also wenn ich nicht weiß, was ich zeichnen soll, tue ich meist durch Übungen, wie Modellzeichnen, oder „drawing challenges“ aller Art.

Was können Comics, Cartoons und Illustrationen, was andere Medien nicht können?

Als geschriebene bzw. gedruckte im Vergleich zu „bewegten“ Bildergeschichten: Ich kann als Leser*in das eigene Tempo bestimmen, und bequem zurückblättern (zurückspulen kann man teilweise auch, aber meinem Gefühl nach eben nur teilweise bzw. nicht so einfach). Als Text-Bild-Kombination im Vergleich zu nur Text: Die Unmittelbarkeit. Wobei umgekehrt, die eigene Fantasie vielleicht weniger angeregt wird. Als Text-Bild-Kombination im Vergleich zu nur Bild bzw. Objekt: Man muss sich vielleicht aktiver damit beschäftigen, und bekommt dadurch ein intensiveres Erlebnis. Ich habe auch mal gelesen, dass gerade die Kombination von Bild und Text sehr effektiv ist, um Erkenntnisse auszulösen und (dadurch?) einen bleibenden Eindruck zu machen 🙂

Dein schönstes/schlimmstes Erlebnis als Zeichner*in?

Ich fange mit dem Schlimmsten an, weil mir fast nichts einfällt 😉 Einmal ist mir ein großformatiges Aquarellbild, womit ich mir viel Mühe gegeben hatte, auf den Boden gefallen, und meine Katze ist mit feuchten Pfoten darauf getreten ^_^“ Und zwei Mal habe ich im Zug eine Mappe vergessen, wo ich meine zu der Zeit besten Bildern gesammelt hatte T_T Am Zeichnen an sich ist aber alles schön 😉 Vor allem, wenn man ins „Flow“ kommt, alles andere vergisst und das Zeitgefühl verliert 🙂

Kannst du den Satz: „Mir ist nicht egal, dass…“ vervollständigen?

Das war für mich die vielleicht schwierigste Frage – denn ich habe dabei festgestellt, dass mir wenig egal ist 😉 Ich habe auch (zumindest an mich) bemerkt, dass der erste Impuls vielleicht ist, sich gegen etwas zu empören oder auszusprechen. Dabei lädt die Frage auch ein, auf etwas Positives hinzuweisen. Also – es ist mir nicht egal, dass in der Abteilung, wo ich als Software Entwicklerin arbeite, in den letzten Jahren viele Frauen dazu gekommen sind (viele Ausländerinnen, aber auch einige Deutsche). Als ich in dieser Firma (als Leiharbeiterin) angefangen habe, war ich begeistert davon, wie fortschrittlich es hier war: im kleinen Projekt arbeiteten schon mehrere Frauen, darunter die Projektleiterin und eine der beiden Systemingenieur*innen. Später (nachdem ich eingestellt wurde ;)) habe ich festgestellt, dass das eher die Ausnahme war ^_^“ Ich habe kein Problem damit, unter Männern zu arbeiten, und ich denke, ich werde als Gleichgestellte angesehen und behandelt. Aber ich glaube nicht an „(Die meisten) Frauen interessieren sich eigentlich für dies oder das nicht“. Und ich hoffe, unser Beispiel hilft dabei, dass noch mehr Frauen anfangen zu denken, Software Entwicklung, Raumfahrt, bzw. Technologie allgemein wäre vielleicht was für sie 🙂

Für dieses Projekt möchte ich gerne Werbung machen:

Ich möchte meine Inktober Zeichnungen (von 2019) als Zine veröffentlichen, und ich hätte gerne „Gast“-Beiträge, die meine Figuren im eigenen Stil umsetzen. Wer dabei sein mag, findet hier bei Instagram die Details: Beiträge auch gerne per Email an hallo@reinekurth.com, bis etwa Ende März (2020). Ich freue mich drauf!

Website: reinekurth.com
Instagram:   @creaturesephemeres

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