ONEEBAKALEINCHEN

SIEBEN AUF EINEN STRICH – das sind täglich 7 Fragen an Comic-Zeichner*innen und Illustrator*innen. Diesmal an: OneeBakaleinchen

TamTam aka OneeBakaleinchen wurde 1991 und lebt in der Nähe von München.

Warum hast du angefangen zu zeichnen?

Ich habe gezeichnet, seit ich denken kann – auch wenn es am Anfang nur Kinderzeichnungen waren. Schon als Kind wollte ich verstehen, wie Körper funktionieren und habe mit sieben Jahren aus Sailor Moonheften abgepaust, um mir zu merken, wie Körper eben in verschiedenen Posen aussehen. Kurzzeitig habe ich 2015 komplett aufgehört zu zeichnen – aus persönlichen Gründen. Heute weiß ich, dass ich zeichne, weil ich Spaß daran habe und etwas vermitteln möchte.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Eigen. Anders. Emotional. Mitfühlend. Ich hatte schon immer einen komplett eigenen Stil und hab mich auch nie von anderen Meinungen beirren lassen. Ich höre oft, dass man spüren kann, was der Charakter wohl gerade fühlen oder denken muss. Das macht meinen Stil aus.

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?

Viele. Viel zu viele. Politik, Ungerechtigkeit, Mythologie, sozialkritische Themen, „Minderheiten“, psychische Krankheiten. Mir ist es wichtig, den Menschen, die meine Sachen ansehen, einen Eindruck zu hinterlassen. Vielleicht auch Verständnis für Dinge, die eben nicht alltäglich sind. Zum Beispiel, dass wir alle unsere Päckchen zu tragen haben. Der eine mehr und der andere weniger. Wir sind alle Individuen, nicht jeder ist gleich und fühlt gleich. Bei meinen Geschichten / Bildern ist es mir wichtig, dass man etwas dabei fühlt und vielleicht über manche Dinge etwas nachdenkt.

Wie suchst du dir Inspiration?

Das mag für viele bestimmt super merkwürdig klingen, aber: durch japanische Produkte. Wenn ich merke, meine Kreativität lässt nach, dann geh ich in asiatische Märkte und schaue mir die Verpackungen von ’neuen‘ Dingen an. Ja, ich weiß, mega merkwürdig XD. Als ich vor einem Jahr in Japan war, hab ich das irgendwie mit nach Hause genommen. Wenn das nicht funktioniert, dann sehe ich mir Bilder über Japan und zu Haikyuu!! (meinem Lieblingsanime!) an. Meistens geben mir Bilder über japanische Tempel und schöne Anlagen genug Inspiration. Wenn ich aber wirklich in einem Zeichentief bin und gar nichts zeichnen kann, dann schaue ich mir Sachen meiner Lieblingszeichnerin Gusari / Kizu Natsuki an, spätestens das zieht dann meistens :)! Wenn das alles nichts hilft: Dann macht einfach mal nichts und geht spazieren, macht Dinge, die ihr so noch nie gemacht habt oder schon mal lange machen wollt, das beflügelt die Kreativität von ganz alleine. Ich hatte dieses Jahr null Bock auf Mangazeichnen, also hab ich angefangen Acryl zu malen und das tut mir richtig gut!

Was können Comics, Cartoons und Illustrationen, was andere Medien nicht können?

Ich denke, sie können alles, was andere Medien auch können. Deswegen finde ich es schwierig, dass gerade Ältere oftmals meinen, solche Dinge seien nur etwas für Kinder. Was ich für mich gemerkt habe ist, dass sie mich beruhigen und mich die Welt anders sehen lassen. Es gibt viele Mangas / Animes, die mich viele Dinge gelehrt haben. Ich war einfach anfällig auf die vielen bunten Farben und tollen Geschichten. Ich habe mich zum Beispiel dank Inu Yasha mehr mit dem Thema japanischer Mythologie beschäftigt (die heute zum Beispiel fester Bestandteil meiner Zeichnungen geworden sind). Oder durch Shaman King hab ich mir indigene Völker und deren Lebensweise genauer angeschaut. Als ich mit 15 meinen ersten Shonan Ai gelesen hatte, hab ich das erste Mal in meinem Leben darüber nachgedacht, dass es andere Jugendliche gibt in meinem Alter, die es eben nicht so einfach haben, oder anders schwer haben (eben weil sie homosexuell sind). Vielleicht haben Mangas, Cartoons oder Illustrationen aber diese Macht, jemandem eine bereits erschaffene Welt zu leihen, um darin zu versinken.

Dein schönstes/schlimmstes Erlebnis als Zeichner*in?

Mein schönstes Erlebnis als Zeichnerin war, dass jemand zu mir an meinen Stand kam und über beide Ohren gestrahlt hat und mir sagte, dass sie wegen mir angefangen hat zu zeichnen, weil sie meine Sachen so super inspirierend fand. Natürlich löst das in einem etwas ganz besonderes aus und man nimmt so etwas mit nach Hause und zieht daraus Kraft. Dann gibt es noch ein schönes Erlebnis, was mich noch immer etwas zu Tränen rührt, wenn ich nur daran denke. Ich habe dieses Jahr der wunderbaren Gusari / Natsuki Kizu ein Fanart zu ihrem Hit ‚Given‘ gezeichnet, der mich auf jeglicher Art und Weise berührt. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe ist, dass sie mir schreiben und mein Bild auf ihrem Twitterkanal liken, kommentieren und teilen würde. Dieser geteilte Post meines Beitrages hängt nun an meiner Wand und soll mich animieren weiter zu zeichnen :)! Eines meiner schlimmsten Erlebnisse: Jemand hat mir ein komplettes Design für einen Charakter geklaut und damit Merchandise drucken lassen. Da ich damals sehr klein war, hab ich kaum etwas dagegen tun können, vor allem, weil die Fans dieses Menschen mich dann gefragt haben, warum ich den Charakter genauso zeichne wie dieser jenige. Und was ich mir einbilden würde. Daraufhin musste ich die Story offline nehmen. Was die Leute allerdings nicht gesehen hatten war, dass meine Bilder ca. ein Jahr früher entstanden waren und ich gar nicht hatte stehlen oder abpausen können. Nutzt bitte viele Referenzen, aber bitte stehlt niemanden individuelle Ideen. Damit tut man anderen Zeichnern mehr weh, als dass man sie unterstützt. (Was oft als Argument genutzt wird.)

Kannst du den Satz: „Mir ist nicht egal, dass…“ vervollständigen?

Mir ist nicht egal, dass andere Menschen traurige, schlimme oder schreckliche Dinge erleben. Es ist egal wieso. Egal ob jemandem Dinge angetan werden, weil er behindert, schwul, lesbisch, bi, trans, dick, wunderschön, dünn, ein ‚Ausländer‘ ist, eine krumme Nase hat oder einfach anders als alle anderen ist. Es ist absolut uncool und macht mich unfassbar wütend. Vielleicht kann ich die Welt nicht auf einmal zu einem besseren Ort machen, aber ich kann einer Person helfen. Egal wie oft ich zwei minderjährige Mädchen nach Hause begleiten muss, weil sie belästigt werden und Angst haben, oder wie oft ich jemandem den Weg zeigen muss. Auch werde ich meine Stimme erheben, wenn eine alte Oma mich fragt, ob ich mich zu ihr setzen will, weil ein Afrikaner neben mir sitzt. Und ich werde alles tun, damit diese Menschen vielleicht nur für wenige Sekunden lächeln und sich freuen können, wenn ich Ihnen eine Freude damit mache und für sie einstehe, weil das vielleicht sonst niemand für sie tut.

Für dieses Projekt von mir möchte ich gerne Werbung machen:

Meine Zeichnerseite auf Instagram und Youtubekanal OneeBakaleinchen. Es wird in den nächsten paar Monaten auf jeden Fall sehr viel passieren, unter anderem möchte ich meinen Manga Hisaki veröffentlichen (wahrscheinlich als Webmanga oder Eigendruck). Dazu wird noch an Beasts geschrieben und mein absolutes Herzensprojekt: David – Eine Ausbildung zum Gott. Wenn ihr daran interessiert seid, was ich mache, dann schaut euch das auf jeden Fall an. Ich würde mich sehr freuen! 🙂

Instagram: @oneebakaleinchen
Youtube: @OneeBakaleinchen

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