JANA MARIE FUHRMANN

SIEBEN AUF EINEN STRICH – das sind täglich 7 Fragen an Comic-Zeichner*innen und Illustrator*innen. Diesmal an: Jana Marie Fuhrmann.

Jana Marie Fuhrmann („Nasen mit Neurosen“) wurde 1983 in Hamburg geboren und lebt in Stuttgart.

Warum hast du angefangen zu zeichnen?

Ich habe schon als Kind Knollnasencomics gezeichnet und Geschichten geschrieben. Das war mir irgendwie ein ganz natürliches Bedürfnis.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Als ziemlich klassischen Comicstil. Wobei der auch noch in der Entwicklung ist – sowohl in Bezug auf die Zeichnungen als auch auf die Inhalte.

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?

Humor, die Absurditäten des Alltags, Zwischenmenschliches, psychische Gesundheit, Feminismus, Antispeziesismus. Ich denke, Humor ist sehr hilfreich, um gut durchs Leben zu kommen. Insbesondere dann, wenn man auch über sich selbst oder die Komik, die oft in eigentlich tragischen Situationen vorhanden ist, lachen kann. 

Wie suchst du dir Inspiration?

Die Inspiration kommt in der Regel „von selbst“. Ich habe meistens ein Notizbuch dabei, um Ideen festzuhalten. Vieles ist in Teilen autobiografisch. Oft natürlich überzeichnet und zugespitzt. Manchmal geht es aber auch um die Erfahrungen von Freunden oder um Themen, die mir generell wichtig sind. Und es darf auch einfach mal eine gute Pointe oder auch völlig absurd sein – ohne „viel dahinter“.

Was können Comics, Cartoons und Illustrationen, was andere Medien nicht können?

Durch Comics können auf sehr reduzierte Art Pointen, Situationskomik oder auch Stimmungen super auf den Punkt gebracht werden.  

Dein schönstes/schlimmstes Erlebnis als Zeichner*in?

Schön ist es, wenn ich beim Zeichnen die Zeit vergessen und mich am Ende über das Ergebnis freue. Und besonders toll ist es immer wieder, wenn Leute über meine Comics lachen, sich verstanden fühlen oder auch ins Nachdenken kommen. Nicht schlimm, aber irritierend: Menschen, die mich (entfernt) kennen, setzen mich gerne 1:1 mit meinen Figuren gleich und denken, meine Comics seien quasi mein Tagebuch. Da kommt es schon mal vor, dass ich einen Cartoon poste und kurz darauf mehrere Nachrichten auf meinem Handy habe, ob denn bei mir alles ok sei. Deshalb, liebe Leute, bedenkt bitte: Die Figur ist nicht gleichzusetzen mit der Künstlerin. Mir geht es gut! 😉 Was tatsächlich weniger schön ist: Missverstanden zu werden. Ich bin oft ziemlich selbstironisch und mache mich auch über meine eigenen Schwächen oder mein manchmal widersprüchliches Denken oder Handeln lustig. Manche Leute, die sich selbst darin wiedererkennen, denken dann, ich würde sie angreifen wollen. Dabei ist das eigentlich immer ganz liebevoll gemeint. Ich will mich in solchen Fällen aber auch gar nicht erklären. Wie ein Comic/Text/Song von jemandem „gemeint“ ist und was er dann wiederum beim Rezipienten auslöst, ist selbstverständlich immer ganz unterschiedlich. Und dass es da eben keine Eindeutigkeit gibt und immer Raum für Interpretation bleibt, ist ja gerade gut so. 

Kannst du den Satz: „Mir ist nicht egal, dass…“ vervollständigen?

Oh, da fällt mir gleich eine ganze Menge ein, was ich wichtig finde – die Liste hier kann nur unvollständig bleiben. Mir ist nicht egal, dass Menschen, wenn sie aufgrund von Krankheiten oder aus anderen Gründen nicht (mehr) funktionieren, in unserer Gesellschaft oftmals durchs Raster fallen und nicht die Unterstützung bekommen, die nötig wäre. Die Prioritäten müssen anders gesetzt werden – wenn es in erster Linie um Leistung und wirtschaftliche Verwertbarkeit geht, dann läuft etwas falsch. Mir ist nicht egal, dass Tiere gequält und getötet werden, damit Menschen Fleisch, Milch und Eier konsumieren können. Glücklicherweise kann man sich auch problemlos pflanzlich ernähren. 🙂 Mir ist nicht egal, dass Themen der psychischen Gesundheit immer noch viel zu sehr tabuisiert werden. Wieso bekommt jemand mit einem gebrochenen Bein Blumen und Genesungswünsche, während der*die Depressive für schwach gehalten, gemieden oder selbst für die Krankheit verantwortlich gemacht wird? Das ist absurd. Studien zufolge ist ca. jede*r fünfte Deutsche im Laufe des Lebens von Depressionen betroffen. Nichts Ungewöhnliches also. Mir ist nicht egal, dass Frauen immer noch in vieler Hinsicht benachteiligt werden und dass völlig veraltete Rollenbilder immer noch zum gesellschaftlichen Standard gehören. Als Schlagzeugerin merke ich das unter anderem im Musikbereich: Es werden bei Festivals, die von Männern organisiert werden, z.B. in der Regel fast nur männliche Bands gebucht. Und das, obwohl es so viele tolle Drummerinnen, Bassistinnen und Gitarristinnen gibt. Es ist wichtig, dass die sichtbar werden und dass junge Mädchen weibliche Vorbilder haben. Und vor allem: Mir ist nicht egal, dass es so viele tolle Leute gibt, die sich dafür einsetzen, dass sich all dies endlich ändert!

Für dieses Projekt möchte ich gerne Werbung machen:

Für meinen Webcomic „Nasen mit Neurosen“.

Website: www.nasenmitneurosen.de
Instagram: @nasenmitneurosen
Facebook: @nasenmitneurosen

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