HASIANN

SIEBEN AUF EINEN STRICH – das sind täglich 7 Fragen an Comic-Zeichner*innen und Illustrator*innen. Diesmal an: HasiAnn.

HasiAnn wurde an einem sonnigen Morgen geboren und lebt in Chemnitz.

Warum hast du angefangen zu zeichnen?

Grundschule, zweite oder dritte Klasse, Zeichnen. Da war es tatsächlich Aufgabe, einen Comic zu zeichnen. Sechs Panel, abgeschlossener One Shot, knallige Farben, lustige Thematik, einfache anthropomorphe Figuren. In dem Moment hatte ich Blut geleckt und habe noch nach dem Unterricht ein ganzes Heft mit solchen Sechs-Panel-One-Shots gefüllt. Alle meine Hobbys fanden sich irgendwie in der Kunst wieder, singen, tanzen, Gitarre spielen, Gedichte und Geschichten. Das Zeichnen war nur der nächste logische Schritt und hat mein Schicksal besiegelt.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Rougher Mangastil, würde ich sagen. Es ist kein super hübscher, perfekter, mit dem Rundlineal gezogener und eckenloser Shojo-Stil, aber auch kein derber, comichafter, alles zerkloppender Shonen-Stil. Es ist ein bisschen überzeichnet, ein bisschen eckig und kantig, ein bisschen durcheinander und viel Tinte aufs Papier geschaufelt. Ich habe keine Angst, über Linien zu malen, Linien doppelt zu ziehen, zu kritzeln oder Tintenflecke hardcore ins Bild einzuarbeiten. Da ich mich im Demonic Fantasy Genre angesiedelt habe, habe ich auch eine Leidenschaft für groteske Formen, Gesichter und Körper entwickelt, die so herrlich im Kontrast zum super schönen Mangastil stehen. Alles wird verpackt in einen lockeren Witz, mystische Stimmung und hübsches Interieur.

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?

Die Grundintentionen meiner Werke verstecke ich zwischen den Zeilen eines Demonic Fantasy Genres. Fantasy war schon immer meine Sache. Dämonen, Magie, andere Dimensionen und Welten. Ich denk mir gerne wissenschaftliche Theorien aus, auf denen Magie basiert, baue eigene Gesellschaftssysteme, Völker, Länder in fremden Dimensionen, lasse Wesenheiten miteinander interagieren und jede Menge Probleme haben. Die Intention meiner Werke ist fast immer Gesellschaftskritik, besonders bezogen auf die falsche, toxische oder seelisch verstümmelnde Behandlung von Kindern. Aber auch Themen wie Korruption, Diskriminierung und Hass sickern in meine Werke. Ich versuche damit, auf subtile Weise aufzuklären, Offenheit zu schaffen und den Horizont zu erweitern.

Wie suchst du dir Inspiration?

Meine Inspiration krame ich immer irgendwie aus dem Fantasy Genre. Manchmal scrolle ich stundenlang durch den Fantasy-Hashtag auf Instagram und lass mich von den krass schönen Illustrationen berieseln. Die Jahreszeiten sind auch eine wichtige Inspirationsquelle für mich. Wenn sich das Wetter und die Landschaft verändern, richten sich auch meine Werke danach. Im Frühling schleichen sich weit mehr Blüten und Blumen auf meine Bilder. Im Herbst schreibe ich deutlich häufiger Szenen am Morgen im Bett mit jeder Menge Tee und Plätzchen. Und mich inspirieren krasse wissenschaftliche Theorien. Damit stelle ich gerne neue magisch-wissenschaftliche Theorien auf. Mit der Verschränkung von Spins beispielsweise habe ich in meinen Werken die Wirkung von dämonischen Fluchsiegeln erklärt.

Was können Comics, Cartoons und Illustrationen, was andere Medien nicht können?

Ganz klar: Der eingefrorene Moment. Es gibt kein Medium, das den eingefrorenen Moment so gut einfängt wie ein Bild. In einem Film ist der Moment direkt vorbei. In einem Buch muss man die Stelle immer wieder lesen, um den Moment festzuhalten. Ein Bild kann man quasi unendlich lang ansehen und der Moment bleibt darin unendlich lang eingefroren. Ich finde, die Zeit vergeht immer schneller und schneller. Momente ziehen vorbei, sodass man sie kaum noch richtig wahrnehmen kann. Bilder frieren Moment ein und konservieren sie für die Ewigkeit. Ich halte diese Art der Entschleunigung für angenehm. Aus allen Kunstrichtungen, die ich gelernt haben, habe ich mich wahrscheinlich gerade deshalb für die Comickunst entschieden.

Dein schönstes/schlimmstes Erlebnis als Zeichner*in?

Mein schönstes Erlebnis: Mir hat einmal ein Fan einen langen Brief geschrieben. Sie hat sehr viel davon erzählt, dass sie krank wurde und von Arzt zu Arzt gereicht wurde, weil keiner ihr helfen konnte. Sie hat stark gelitten und wurde deswegen auch depressiv. Aber sie hat auch geschrieben, dass sie seit Monaten wegen meiner Werke zum ersten Mal wieder gelacht hat. Mich haben noch andere Briefe erreicht von Leuten, die aufgrund meiner Werke den Mut gefunden haben, ihr Comming Out durchzuziehen. Ich lese auch wahnsinnig gern Kommentare, in denen über neue Seiten Updates gerätselt wird, die Geschichte interpretiert wird und sich meine Leser wirklich Gedanken machen. Das sind solche Momente, in denen ich ganz genau weiß, ich erzeuge mit meinen Werken vielleicht keinen krassen finanziellen Wert wie eine Disney Filmschmiede, aber ich erzeuge einen emotionalen, mentalen Wert und das in Hülle und Fülle. Ich habe einen Menschen davon abgehalten, sich umzubringen, ohne je mit ihm gesprochen zu haben. Wie krass ist das bitte?! Meine Werke bewirken etwas und das bedeutet mir wahnsinnig viel. Mein schlimmstes Erlebnis: Das war im Prinzip die ganze Anfangszeit meiner Karriere. Sie verlieft absolut normal für ein Startup: Katastrophe. Ich bin als Newbe/Nooby eingestiegen. Ich war bestenfalls auf Animexx bekannt. Facebook, Instagram, Twitter, Webseite: Meine Reichweite war gleich Null. Und da ich auch keine Fanarts oder einen super aufgehübschten Shojo-Stil zeichnete, ganz zu schweigen von großen Möppsen oder generisch dummen Klischee-Geschichten, war es schwer, Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Noch dazu behandelte ich etwas erwachsenere Themen in einem dämonischen Umfeld, also fiel die leicht zu erreichende riesige Zielgruppe von Kindern auch weg. Ich musste eine eigene, völlig neue und dazu noch nischige Marke für ein sehr begrenztes Zielpublikum komplett allein und aus eigener Kraft aus dem Boden stampfen. Mach das mal mit absolut null Erfahrung. Die ersten Monate waren Horror. Niemand nahm Notiz von mir, die Zahlen stiegen wenn überhaupt nur im einstelligen Bereich und meine Verkäufe zogen sich wie Kaugummi dahin. Ich stand des Öfteren kurz vom Aufgeben. Aber ich habe durchgehalten und das Ergebnis ist eine stabile, treue Fanbase, gesunde Einnahmen und viel Unterstützung.

Kannst du den Satz: „Mir ist nicht egal, dass…“ vervollständigen?

Mir ist nicht egal, dass man Dinge pausenlos, jeden Tag, jede Sekunde seines Lebens infrage stellt. Das ist anstrengend und nervig und man ist ständig gezwungen, zu reflektieren, über sich selbst nachzudenken und seine eigene Meinung zu hinterfragen. Aber nur auf diese Art bleibt man tolerant und offen für Neues und verschachert sich nicht hinter einer faulen Fassade aus Tradition und Bequemlichkeit. Und mir ist nicht egal, dass es Pizza gibt 😀

Für diesen Projekt möchte ich gerne Werbung machen

Wer das Demonic Fantasy Genre mag, elegantes Setting, fremde Welten, ernste Themen mit jeder Menge Interpretationspotential, Gesellschaftskritik zwischen den Zeilen, alles vermischt mit ein wenig klapsigem Humor, der kann gerne seine Nase in „Fourth Instance – Michael“ stecken, der neuesten Fourth Instance Staffel. Der Onlinemanga ist komplett kostenlos. Jeden Montag kommt ein neues Seiten-Update. Ich arbeite voller Leidenschaft und kontinuierlich an diesem Werk. Neue Leser sind herzlich willkommen. Jeden Dienstag 19 Uhr mache ich live auf Twitch eine kleine Fragerunde, in der ich Fragen beantworte und Zeichentipps gebe.

Webseite: www.fourth-instance.de
Instagram: www.instagram.com/fourthinstance
Twitter: www.twitter.com/hasiann4i
Twitch: www.twitch.tv/fourthinstance

Manga-Comic von HasiAnn
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