ANKE FEUCHTENBERGER

SIEBEN AUF EINEN STRICH – das sind täglich 7 Fragen an Comic-Zeichner*innen und Illustrator*innen. Diesmal an: Anke Feuchtenberger

Anke Feuchtenberger wurde 1963 in Ost-Berlin geboren und lebt und arbeitet in Hamburg und Vorpommern.

Warum hast du angefangen zu zeichnen?

Wie wahrscheinlich die meisten, habe ich als Kind angefangen zu zeichnen und zu malen und nie aufgehört damit. Ab einem bestimmten Zeitpunkt zeichnete ich dauernd Unterwasserwelten. Ich wollte Tiefseetaucherin werden. Tauchen konnte ich gut, nur nicht schwimmen. Also zeichnete ich all das organische Leben unter Wasser. Zeichnen ist wohl so etwas wie eine Wunscherfüllung. Noch heute spielt das Wasser eine große Rolle in meinen Bildern. Das Zeichnen erlaubte mir, mich mit allem intensiv zu beschäftigen, was mich interessiert: Tiere, Pflanzen, Landschaft, andere Menschen, Mythen und Märchen und die Verbindung von alldem.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich versuche immer wieder neue Stile auszuprobieren. Sehr jung damals, wurde ich auf meinen damaligen „Stil“ fixiert, sollte ihn auftragsmässig wiederholen. Ausserdem wurde er kopiert von anderen und so machte ich mir inzwischen eine begrenzte Stillosigkeit zu eigen. Begrenzt, weil jede jeder natürlich seinen ihren Stil tief in sich drin trägt, wie eine genetische Einzigartigkeit. Die schreibt sich wahrscheinlich sowieso immer durch.

Welche Themen liegen dir besonders am Herzen?

Ich zeichne, um mich zurecht zu finden in der Welt. Übergänge interessieren mich: ab wann ist etwas lebendig? Wie real sind Träume? Was trennt/vereint Tier und Mensch?

Wie suchst du dir Inspiration?

Ich lese viel, unterhalte mich oft mit Menschen (als Dozentin ist das ein ganz wunderbares Privileg mit so vielen jungen und talentierten Künstler*innen Gespräche führen zu dürfen) versuche mit Tieren zu kommunizieren und Kindern, laufe viel im Wald herum, halte mich oft im Wasser auf, also ein intensives erfülltes Leben- ich suche nicht nach Inspiration- sie ist (bis jetzt jedenfalls) immer gegeben. Ich komme gar nicht hinterher, sie umzusetzen.

Was können Comics, Cartoons und Illustrationen, was andere Medien nicht können?

Ich kann nur für Comics sprechen. Kommerzielle Illustration und Cartoons interessieren mich nicht sehr. In Bildgeschichten, jedenfalls denen, die ich gut finde, werden verschiedene sinnliche Bereiche in mir angesprochen. Die fürs Bild, wie auch jene, die fürs Wort zuständig sind. Im besten Fall ergibt das eine komplexe poetische Erfahrung. Trotzdem ist das Comiclesen ( ich nenne es lieber Comicschauen, weil ich dem Wort nicht den Vorrang vor dem Bild gebe) ein privater, intimer Vorgang, wie das Bücherlesen. Comics entziehen sich einer vorgegebenen Geschwindigkeit. Ich kann zurückblättern. Ich mag auch die Stille, in der sich die Rezeption vollziehen kann und zugleich muss ich Geräusche evozieren. Außerdem darf man im Comic, was für den Kunsttempel als zu banal, obszön oder alltäglich gilt. Die Comicszene, wie ich sie international und speziell in Hamburg erlebt habe, ist mir sehr sympathisch. Kollegial, freundlich, interessiert. Aus den neueren Bildgeschichten spricht ein starker Zeitgeist, weil sie weniger klischeehaft und traditionell sind. Bin gespannt, wie sich das im Zeitlauf entwickelt.

Dein schönstes/schlimmstes Erlebnis als Zeichner*in?

Eine schrecklich schöne Erfahrung: Als mein Sohn geboren wurde, sagte meine beste Freundin zu mir: kaum geboren, sähe er genauso aus, wie die Figuren in meinen Bildern. Als später Comics von mir veröffentlicht wurden, wurde ich gefragt, warum ich immer meinen Sohn zeichnen würde. Was war zuerst da?

Kannst du den Satz: „Mir ist nicht egal, dass…“ vervollständigen?

Mir ist nicht egal, wie das Wetter ist.

Website: www.feuchtenbergerowa.de
Instagram: @feuchtenbergerowa
Reprodukt: @anke-feuchtenberger

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